Die Finanzierbarkeit einer vertieften psychotherapeutischen Ausbildung zur Fachkunde muss erhalten bleiben und darf nicht verschlechtert werden!

Nach menschlichem Ermessen wird die Finanzierung der Weiterbildung in einem wissenschaftlich anerkannten Verfahren im Falle der Durchsetzung der Direktausbildung mit Approbation und anschließender Weiterbildung auf der Strecke bleiben. Die Folge wäre eine dramatische Verschlechterung der Qualität der Psychotherapeutenausbildung, weil die Weiterbildung nicht mehr in einem genehmigungspflichtigen sogenannten wissenschaftlich anerkannten Richtlinienverfahren erfolgen könnte.

Faktenlage:

  • Die Ausbildung in einem wissenschaftlichen Psychotherapieverfahren kostet je nach Verfahren mehrere zehntausend Euro. Diese Kosten können z. Zt. im Rahmen einer bundesgesetzlichen Regelung (§ 117 SGB V) in der sogenannten Praktischen Ausbildung (mindestens 600 Stunden Richtlinienpsychotherapie unter Supervision) komplett gegenfinanziert werden. Nun soll die bisherige sogenannte vertiefte Ausbildung in einem wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren – bisher bundesrechtlich geregelt als postgraduale Ausbildung - in eine Weiterbildung überführt werden, wie sie z. Zt. für Ärzte als Facharztweiterbildung üblich ist.
  • Weiterbildungsstätten haben in Deutschland jedoch keinen gesetzlichen Anspruch auf Ermächtigung, wie er zur Zeit für Staatlich anerkannte Ausbildungsstätten für die Praktische Ausbildung in einem wissenschaftlich anerkannten Verfahren im Rahmen der Durchführung des Psychotherapeutengesetzes besteht. Damit ist jedoch die Ausbildung in den genehmigungspflichtigen wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Richtlinienverfahren – die unbestrittene Voraussetzung einer psychotherapeutischen Expertenschaft - praktisch nicht mehr möglich. Falls psychotherapeutische Weiterbildungsstätten qua (Bundes- oder Länder-) Gesetzgebung einen Ermächtigungsanspruch analog § 117 SGB V bekämen, würde der Gesetzgeber ein Sonderrecht ohne rechtfertigendes Vorbild und auf widersprüchliche Weise schaffen (eine ausdrücklich für Hochschulen und Ausbildungseinrichtungen geschaffenes Bundesgesetz müsste auf die Weiterbildung, die Länderrecht unterliegt, transformiert werden). Hier müsste also ein gesetzgeberischer Akt erfolgen, der in der juristischen Fachwelt als außerordentlich problematisch eingeschätzt wird. Alle gegenteiligen Beteuerungen der speziell von der basalen Direktausbildung berufspolitisch profitierenden Akteure sprechen – betrachtet man die diesbezüglichen Möglichkeiten der Landes- und Bundesgesetzgebung und die Kommentare der einschlägig erfahrenen Juristen – für einen eher geringen Realitätsbezug. So besteht auch die Gefahr, dass solch ein Gesetz unüberschaubare Kosten verursachen könnte, da sämtliche medizinische Weiterbildungsstätten einen Anspruch auf Gleichbehandlung durchsetzen könnten, also über einen eigenen Ermächtigungsanspruch die Leistungen der ärztlichen Weiterbildungsteilnehmer von den Kassen außerhalb des für Krankenhäuser vorgesehenen Budgets vergüten zu lassen.
  • Daher sollen die Ausbildungsteilnehmer ihre Ausbildung im Rahmen von Anstellungen in „Anerkannten Psychotherapeutischen Weiterbildungsstätten“ durch ihre Gehälter finanzieren. Die Realitätsferne dieser Diskussion wird sichtbar, wenn die Frage beantwortet werden soll, wie diese „Psychotherapeutischen Weiterbildungsstätten“ und die in ihnen vorzuhaltenden „Psychotherapeutischen Weiterbildungsstellen“ finanziert werden sollen. So wird allen Ernstes ein Stiftungsmodell nach dem Vorbild der Ärzteweiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in Erwägung gezogen, das Probleme lösen soll, die mit der Psychotherapeutenweiterbildung kaum etwas verbindet.