Die Zugänglichkeit einer vertieften psychotherapeutischen Ausbildung zur Fachkunde muss erhalten bleiben und darf nicht verschlechtert werden!

Versorgungsprobleme durch nicht vorhandene und unzugängliche Weiterbildungsstellen:

Sollte das BMG-Modell nach dem jetzigen Diskussionsstand Realität werden, entsteht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Nadelöhr, dass dazu führt, dass nach dem Aufbau des Direktstudiums eine große Zahl „approbierter Psychotherapeuten“ keine Weiterbildungsstellen finden werden. Es würde voraussichtlich eine erhebliche Absenkung der Zahl von Psychotherapeuten nach heutigem Verständnis, die regulär als Psychotherapeuten in der Versorgung tätig werden können, stattfinden. An ihrer Stelle würden „Approbierte ohne Fachkunde“ die Medizin bevölkern.

Faktenlage:

  • Gegenwärtig befinden sich ständig insgesamt ca. 12.500 Ausbildungsteilnehmer in einer durchschnittlich fünfjährigen postgradualen Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, von denen jährlich 2500 ihre Ausbildung abschließen.
  • Das Konzept des BMG sieht vor, den Status eines approbierten Psychologischen Psychotherapeuten in Weiterbildung zu schaffen, der allerdings, um überhaupt die Weiterbildung absolvieren zu können, ebenso wie ein in Facharztweiterbildung befindlicher Arzt an einer Weiterbildungsstätte eine Anstellung benötigt. Solche Weiterbildungsstätten sollten Psychiatrische und Psychosomatische Kliniken bzw. größere Versorgungseinrichtungen sein, die ihre Weiterbildungsassistenten während der gesamten stationären Weiterbildungszeit ähnlich wie ärztliche Weiterbildungsassistenten bezahlen sollen und gleichzeitig als Weiterbildungsstätten befugt wären.
  • Zur Aufrechterhaltung des jetzigen Versorgungsgrades müssten im Falle einer 5jährigen Weiterbildung, falls das BMG-Konzept realisiert werden sollte, ständig für ca. 12.500 Weiterbildungsteilnehmer stationäre und ambulante Weiterbildungsstellen für Psychotherapeuten analog der ärztlichen Facharztweiterbildung überwiegend im stationären Bereich vorgehalten werden (diese Zahl findet sich – allerdings kleingerechnet - inzwischen auch im Bericht der BPTK an das Bundesministerium für Gesundheit. Hier wird nämlich der Bedarf nur für ein Fünftel der Weiterbildungszeit angegeben. Wörtlich schreibt die BPTK : „…haben wir dem BMG nach Abstimmung in der Bund-Länder-AG und im Länderrat einen geschätzten Bedarf von jährlich rund 2.500 Weiterbildungsplätzen mitgeteilt…“. Der Bedarf beträgt jedoch real zu jedem Zeitpunkt 12.500 Weiterbildungsplätze, weil für einen Ausstoß von jährlich 2500 weitergebildeten Psychologischen Psychotherapeuten sich ständig mindestens 12.500 Absolventen in der fünfjährigen Weiterbildung befinden.
  • Um sich die Dimension dieses Vorhabens vergegenwärtigen zu können, ist darauf hinzuweisen, dass gegenwärtig überhaupt nur 7.400 Stellen für Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie/Kinder- und Jugendpsychiatrie und 5.400 Stellen für Psychologische Psychotherapeuten/Kinder-/Jugendpsychotherapeuten, also insgesamt 12.800 Vollzeitstellen an für die Weiterbildung geeigneten stationären Einrichtungen existieren (Quelle: Studie der BPTK 2014).