Nach den Plänen des Gesundheitsministers soll ein unmittelbar zur Approbation führendes Erststudium, ergänzt durch eine fakultative Weiterbildung, das heutige Modell der postgradualen Psychotherapeutenausbildung ersetzen.

Während der bisherige Psychologische Psychotherapeut nach einer acht- bis zehnjährigen Ausbildung und Beherrschung eines wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahrens (Fachkunde) seine Berufserlaubnis (Approbation) erhält, soll der zukünftige Psychologische Psychotherapeut nach einem 4-semestrigen Masterstudium der Psychotherapie approbiert werden. Dieser neue Approbierte Psychologische Psychotherapeut hätte die volle Berufserlaubnis als Psychotherapeut, ohne die spezialistische Kernkompetenz des Psychotherapeuten - die Fachkunde in einem anerkannten wissenschaftlichen Verfahren - zu besitzen. Ordnungspolitisch ist sonnenklar: Der neue Psychologische Psychotherapeut wäre kein Spezialist mehr, sondern ein Generalist wie der Arzt, übrigens auch mit Befugnissen eines Arztes. Hier soll ein neues Berufsbild geschaffen werden: Der Psychotherapeut light! Dieser Psychotherapeut – eine Art "Miniarzt fürs Psychosoziale“ würde den Beruf des Psychologischen Psychotherapeuten im Kern aushöhlen: Psychotherapie wäre alles, was jetzt das Leistungsspektrum von Klinischen Psychologen, Sozialpädagogen und Ärzten ausmacht, die sich nach der heutigen Gesetzeslage (§ 132a StGb) strafbar machten, würden sie sich Psychotherapeuten nennen.

Dieser neue Beruf hätte eine erhebliche Anziehungskraft auf junge Menschen, die heilkundlich tätig sein wollen, ohne Medizin studieren zu müssen und Psychotherapeuten werden möchten, ohne den langen und mühevollen Weg einer vertieften Ausbildung in einem wissenschaftlichen Verfahren der Psychotherapie zu gehen. Von dieser Sorte „Psychotherapeuten“ wird es mehr geben, als es Absolventen der diesbezüglichen geplanten deutschen Numerus clausus-Studiengänge geben wird. Es ist bereits im Vorfeld des Gesetzgebungsverfahren offenkundig, dass der deutsche Numerus clausus unterlaufen werden wird und in mehreren EU-Ländern von bereits in Lauerstellung befindlichen privaten und staatlichen Universitäten und Hochschulen entsprechende Abschlüsse angeboten werden, denen die deutsche Approbation nicht verweigert werden könnte.

Zu den Folgen der zu frühen Approbation für den Patienten, den Beruf des Psychotherapeuten und des Arztes