Die heutige hohe und für das Ausland vorbildliche psychotherapeutische Ausbildungs- und Versorgungsqualität muss erhalten bleiben!

10 Jahre nach Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes (v. 16. Juni 1998B; GBl. I S. 1311) hatte die Bundesregierung ein Forschungsgutachten über die bisherigen Ergebnisse der Ausbildung nach dem Psychotherapeutengesetz in Auftrag gegeben.

Dieses 2009 übergebene Gutachten hat die bisherige Form der Ausbildung insgesamt als Erfolgsmodell eingeschätzt, dass durch hohe Qualität und Effektivität gekennzeichnet ist sowie der Gesellschaft praktisch keine Kosten verursacht.

Sämtliche Studien, die in den letzten fünf Jahren Effektivität und Zufriedenheit der betroffenen Bevölkerung mit der Qualität der Versorgung untersucht haben, kommen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die meisten Patienten sowohl von verhaltenstherapeutischen als auch tiefenpsychologischen Psychotherapieverfahren sehr gut profitieren. Die Therapeut-Patient-Beziehung wird flächendeckend beinahe idealtypisch geschildert.

Das Forschungsgutachten kommt zu der Feststellung, dass lediglich zwei Probleme des Psychotherapeutengesetzes durch eine Novellierung zu lösen seien:

  • Die Regelung der Zugangsvoraussetzungen für die postgraduale Ausbildung, die durch die europaweite Einführung gleicher Studiengangstrukturen wie „Bachelor“ und „Master“ anstelle der deutschen Diplomstudiengänge (Bolognaprozess) notwendig geworden ist. Letzteres ist inzwischen durch Absprache auf Länderebene weitgehend geschehen.
  • Eine Veränderung der Praktischen Tätigkeit, die als zu aufwändiges und unbezahltes Praktikum die Ausbildungsteilnehmer belastet, was bislang nur unzureichend gelungen ist.

Beides würde sich durch eine Novellierung mit Erhalt der wesentlichen Teile des bisherigen erfolgreichen Ausbildungsmodelles regeln lassen.

Alle Diskussionen, die in dieser Richtung geführt worden sind und bereits 2010 zu einer entsprechenden Willensbildung des Deutschen Psychotherapeutentages geführt haben, sind vom BMG aus „ordnungspolitischen“ Motiven ignoriert worden. Das BMG hat systematisch die Novellierung 5 Jahre lang verweigert, bis eine Gruppe von vorwiegend methodisch einseitig ausgerichteten psychologischen Hochschullehrern und ein großer Berufsverband in den Plänen des Ministerium fachpolitische und berufspolitische Vorteile ausgemacht haben: Mehr ärztliche Befugnisse, Angleichung an den Berufsstand der Ärzte, Erschließung neuer wirtschaftlicher Ressourcen durch Besetzung aller psychosozialen Aufgabenfelder in der Medizin u.a. Diese Ziele sollen nun ohne Rücksicht auf Verluste durchgesetzt werden. Die Motive dieser Gruppen treffen sich mit den Absichten der Gesundheitspolitik, Psychotherapie billiger und verfügbarer zu machen und den Berufsstand der Ärzte weiter unter Druck zu setzen. Am Ende wären Ärzte wie Psychotherapeuten deklassiert.