Die Novellierungspläne der Bundesregierung sehen eine berufsrechtlich nicht eingeschränkte volle Berufserlaubnis des Absolventen eines Psychotherapieerststudiums vor, der allerdings nicht die Fähigkeit zur Anwendung eines wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahrens (Fachkunde) besitzt. Eine fakultative Weiterbildung soll dann zur Fachkunde führen. Der fehlerhafte Standpunkt der Bundesregierung lautet: Dies würde den Beschlüssen des 25. DPT entsprechen und mit diesen Beschlüssen sei die Diskussion in der Berufsgruppe der Psychotherapeuten abgeschlossen.

Was sagen die Beschlüsse des 25. DPT?

Z.B.: "Hochschulstudium und zweite Qualifizierungsphase sind aufeinander zu beziehen". Sowie: "Die Approbation berechtigt zu Weiterbildungen, deren Abschlüsse insbesondere die Voraussetzung für die eigenständige Behandlung gesetzlich Krankenversicherter (Fachkunde) im ambulanten und im stationären Bereich darstellen."

Kommentar: Der Wille der Delegierten war also keineswegs die Erteilung einer Erlaubnis zur eigenverantwortlichen und selbständigen Behandlung. Nach dem Studium soll eine psychotherapeutische Tätigkeit nicht eigenständig, sondern nur unter Aufsicht möglich sein. Außerdem soll der Absolvent überhaupt nur im Rahmen einer Weiterbildung psychotherapeutisch tätig sein dürfen. Diese - von den Delegierten beschlossenen - Einschränkungen werden durch die Pläne der Bundesregierung unterlaufen. Hier müsste das BMG, um dem Willen der Profession zu entsprechen, entsprechende Gesetze erlassen, die die Approbation einschränken.

Z. B.: "Im wissenschaftlichen Hochschulstudium (Qualifizierungsphase I bis einschließlich Masterniveau) erstreckt sich die Qualifizierung über die gesamte Altersspanne (Kinder, Jugendliche und Erwachsene). In dieser Phase sind die vier Grundorientierungen der Psychotherapie (verhaltenstherapeutisch, psychodynamisch, systemisch und humanistisch) mit Strukturqualität zu vermitteln."

Kommentar: Von diesen umfangreichen und anspruchsvollen Inhalten finden sich in den derzeitigen Zielstellungen der Ausbildung nur vielfältig auslegbare Andeutungen.

Z.B.: " Es werden angemessene finanzielle Rahmenbedingungen geschaffen für die Vergütung der Versorgungsleistungen von Weiterbildungsteilnehmerinnen und -teilnehmern sowie für die von Weiterbildungsstätten bzw. die in den Einrichtungen zur Weiterbildung Befugten erbrachten Versorgungs- und Qualifizierungsleistungen." Kommentar: Das müsste vor einer Novellierung grundsätzlich bundesrechtlich geklärt werden, weil dies auf Länderebene nicht zu klären ist. Außer beschwichtigenden Stellungnahmen gibt es dazu keine Informationen an die Profession.

Darüber hinaus haben im Sommer 2015 große Ärzteverbände (DGPPN und DGPM) in ihren Stellungsnahmen vorsorglich gefordert, dass  - falls solches für Psychotherapeuten möglich würde - es auch für alle ärztlichen Weiterbildungsstätten gelten müsste. Wie die Bundesregierung dies regeln will, steht in den Sternen!

Schließlich haben die Delegierten vorsorglich beschlossen: "Vor diesem Hintergrund und auf der Grundlage von Berufsbild, Kompetenzprofil und Kernforderungen werden die nachfolgenden Eckpunkte beschlossen und der Vorstand beauftragt, bei den zuständigen Stellen die Rahmenbedingungen für die Möglichkeiten der Realisierung für eine solche Reform inklusive der Finanzierung zu klären. Die Delegierten des DPT sind darüber zeitnah zu informieren."

Kommentar: Diese Beschlüsse stellen also keineswegs den Abschluss der Diskussion in der Profession der Psychotherapeuten dar, wie die Bundesregierung glauben macht. Die Bundespsychotherapeutenkammer sollte lediglich prüfen, ob der Wille der Delegierten überhaupt umsetzbar ist. Wie gezeigt wurde, sind die meisten Punkte, um die es den Delegierten ging, ungeklärt!